Die folgende Postkarte nennt den 1.11.1925 als Gründungstag. Mit dieser Postkarte fragt Jakob Gahn († 1931), einer der Gründer, beim Schulvorstand an und bittet um die Überlassung eines Raumes für Lehrkurse, da sich die Nutzung einer Wirtschaft als sehr nachteilig erwiesen hat. Weitere bekannte Gründungsmitglieder sind Peter Schmitt, Franz Kreuzer, Friedrich Hoffmann, Konrad Steckenreiter, Adolf Klein, Peter Hessemer und Konrad Becker. Unser späterer langjähriger Vorsitzender Hans Bär traf 1927 als 15-jähriger dazu.
An den Schulvorstand der Volksschule Walldorf
Walldorf, den 8.11.25
P.P. (A.d.R.: praemissis praemittendis, veraltete allgemeine Anrede)
Am 1. November wurde am hiesigen Orte eine Ortsgruppe des Arbeiter-Samariterbundes gegründet. Herr Fr. Hoffmann hat in bereitwilliger Weise die Führung der Lehrkurse übernommen. Leider fehlt es an geeigneten Räumen. Die Benutzung einer Wirtschaft hat sich als sehr nachteilig erwiesen. Wir richten deshalb die Bitte an Sie, uns an einem Tage in der Woche einen Schulsaal (oder die Kochschule) zur Verfügung zu stellen. Anbetracht der Algemeinwichtigkeit unserer Sache rechnen wir mit einer Zustimmung Ihrerseits.
Hochachtungsvoll. Jakob Gahn II.
Die fünfzehn Walldorfer Sanitätsmänner werden unter die Kontrolle des SA-Sanitätssturms gestellt. Widerwillig gehen sie den Schritt mit, um ihr Material und ihre Vereinskasse nicht zu verlieren. Das Material (zwei Tragen, eine Fahrtrage und mehrere Sanitätstaschen) wurde von den Walldorfer Einwohnern finanziert.
Über Walter Mann, ein Walldorfer, der DRK-Mitglied in Frankfurt war, und über Kameraden vom DRK-Egelsbach wurde der Kontakt zum DRK angebahnt. Hans Bär und Wilhelm Windemuth machten sich zu Fuß auf den Weg nach Darmstadt zu Oberst Schröder vom DRK-Landesverband. Dort sprachen sie vor und schlugen die Gründung einer DRK-Ortsgruppe in Walldorf vor.
Peter Schmitt und Hans Bär konnten mit Unterstützung von Oberst Schröder die Walldorfer Bürgermeisterei von der Gründung einer DRK-Gruppe überzeugen.
Mit der Rückendeckung des DRKs konnten die ehemaligen ASBler aus der SA herausgelöst werden.
Damit wurden wir der DRK-Halbzug Walldorf
der DRK-Sanitätskolonne Kelsterbach
(so die offizielle Bezeichnung dieser Zeit).
Leider sind weitere Bilder nicht überliefert (siehe 1945)
Wie heute auch, sicherten unsere damaligen Kamerad*innen hauptsächlich Sportveranstaltungen und sonstige Festivitäten sanitätsdienstlich ab. Diesen Sanitätsdienst wollen wir mal herausheben, da er das damalige Zeitgeschehen wiedergibt.
Wie viele andere DRK-Einheiten, hatten auch wir bei der Eröffnung der Reichsautobahn Frankfurt - Darmstadt, einen Abschnitt zugeteilt bekommen, an dem wir den Sanitätsdienst leisten sollten. Es sollten Hilfsstellen errichtet und der Abtransport von Patienten sichergestellt werden. Bei großer Hitze wäre auch Wasser zur Erfrischung bereitzustellen. Unser Abschnitt sollte bei Kilometer 8,1 an der Ausfahrt Langen/Mörfelden sein.
Letztendlich kam es aber anders. Auf Grund des erwarteten hohen Besucheransturms, wurden die Walldorfer letztendlich im Bahn- und Stadtgebiet von Walldorf eingesetzt. Schließlich reiste die Mehrheit der Zuschauer mit der Bahn an. Wir erhielten Unterstützung von 10 Mann der Sanitätskolonne Rüsselsheim.
1936 noch als vertraulich gekennzeichnet: Die DRK-Gliederungen müssen ihre Mitglieder, also Sanitäter, an die Reichswehr melden.
Schon 1937 werden bei Übungen statt Unfälle nun Kriegsszenarien dargestellt.
Es dauerte nicht lang bis sich die Industrie darauf eingestellt hatte.
Hier ein Ausschnitt aus einem Katalog. “Achtung! Für Sanitätsübungen viel verlangte Artikel:”
Die Landkreise und Gemeinden üben die Verdunklung für den Luftschutzfall. Dabei wird das DRK verpflichtet in jeder Gemeinde eine Einheit in Alarmbereitschaft bereitzustellen.
1936 gründet sich die erste Frauengruppe und bildet damit den Grundstein unserer Wohlfahrts- und Sozialarbeit, die bis heute besteht.
Kennt jemand die Dame auf dem Foto? Es liegt uns im Original vor, weswegen wir davon ausgehen, dass es sich bei ihr um eine unserer Mitgliederinnen handelt. Leider können wir sie nicht namentlich zuordnen.
Ein weiterer herausragender Sanitätsdienst stand im Juli 1936 an. Wenige Tage nach der Eröffnung des Flug- und Luftschiffhafens Rhein-Main, machte das Luftschiff “Graf Zeppelin”, als erstes Luftschiff überhaupt, auf dem neuen Flughafen in Frankfurt fest. Ein großer Menschenandrang war zu erwarten. Wir hatten unseren Dienst auf dem Zuschauergelände zu versehen. Mitzubringen waren alle tragbaren Ausrüstungsgegenstände inklusive der Tragen. Im Befehlsschreiben wurde auch nicht unerwähnt gelassen, dass jeder seine eigene Verpflegung mitzubringen habe.
Bereits ein Jahr später brach die “Hindenburg” von Frankfurt nach Lakehurst/New York zu ihrer tragischen letzten Fahrt auf und läutete damit das Ende der Luftschifffahrt ein.